In den Geschäftsführungen bleiben Frauen eine Randerscheinung
Je höher die Führungsposition in der Energiewirtschaft ist, desto seltener wird sie mit einer Frau besetzt. Bei Prokuristinnen beträgt der Frauenanteil 13,7 Prozent. Unter den Vorständen ist rund jedes zehnte Mitglied weiblich (10,2 Prozent), in der Geschäftsführung liegt der Frauenanteil nur bei 6,3 Prozent. Am häufigsten sind Frauen im Verwaltungs- und Aufsichtsrat anzutreffen, aktuell sind 16,4 Prozent der Verwaltungs- oder Aufsichtsräte weiblich.
Der Anteil weiblicher Führungskräfte unterscheidet sich auch je nach Region: Während im Osten Deutschlands der Anteil bei 20 Prozent liegt, machen Frauen im Westen, Norden und Süden zwischen 11 und 16 Prozent aus. Noch größer sind die Unterschiede in Ostdeutschland in den Geschäftsführungen: Dort beträgt der Frauenanteil insgesamt 14,9 Prozent, im Westen nur 4,9 Prozent.
Mehr weibliche Führungskräfte in Politik, Behörden und Start-ups
Bei politischen Ämtern und Behörden im energiewirtschaftlichen Bereich beträgt der Frauenanteil rund 42 Prozent (+1,7 Prozent im Vergleich zu 2021), in wissenschaftlichen Instituten rund ein Drittel (+3,4 Prozent). Bei Stadtwerken und Unternehmen, die regenerative Energie erzeugen, liegt der Anteil der weiblichen Führungskräfte mit 15,3 bzw. 15,9 Prozent etwas über dem Branchenschnitt von 14,3 Prozent.
Zum ersten Mal wurden in der Studie auch Start-ups untersucht: Dort leiten Frauen etwas häufiger die Geschäfte als im Branchenschnitt, in den Geschäftsleitungen liegt ihr Anteil bei 9,4 Prozent. Das sind gut drei Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt des Energiesektors (6,3 Prozent). Auch bei den Start-ups zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: Im Osten Deutschlands ist der Frauenanteil in der Geschäftsleitung mit 15 Prozent deutlich höher als im Rest Deutschlands.
Frauen-Power in der Kommunikation
Der niedrige Frauenanteil betrifft nahezu alle Funktionsbereiche – mit einer Ausnahme: In den Kommunikationsabteilungen der Top-500-Unternehmen stellen Frauen mit 68 Prozent der Führungskräfte deutlich die Mehrheit (2018: 40 Prozent und 2021: 57 Prozent). Bei den Erneuerbare-Energien-Unternehmen und Stadtwerken ist der Frauenanteil in der Kommunikation mit 65,9 bzw. 65,2 Prozent ähnlich hoch. Technische und produktionsnahe Bereiche sind weiterhin männlich dominiert. In der IT sind beispielsweise nur rund 5 Prozent der Führungskräfte weiblich.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Im Rahmen der Studie wurden auch Daten zur Teilzeit für die Top-500-Unternehmen der Energiewirtschaft sowie zu den Stadtwerken ausgewertet. 9,5 Prozent der gesamten Führungskräfte in der Energiewirtschaft nutzen Teilzeitmodelle, bei den Frauen in Führungspositionen sind es etwa dreimal so viele (28 Prozent). Am höchsten ist der Teilzeitanteil von Frauen in leitenden Stellen bei Stadtwerken, hier beträgt er 38 Prozent. Allgemeine Arbeitsmarktdaten konstatieren, dass etwa 30 Prozent der Frauen in Führungspositionen in Teilzeit arbeiten – bei den Männern sind es lediglich 3 Prozent. „Je besser sich Familie und Beruf vereinbaren lassen, desto größer sind die Chancen, dass Frauen Führungspositionen übernehmen. In der Energiebranche müssen dafür flexiblere Arbeitsmodelle und eine offene Unternehmenskultur geschaffen werden“, so Dr. Nicole Elert, Partnerin bei PwC Deutschland und Leiterin des PwC Netzwerk women&business.
>>> zur Studie “Frauen in der Energiewirtschaft”
Textquelle: PwC / Bildquelle: 123rf/antonioguillem





