Angestellte melden sich häufiger krank

Kategorie: Karriere-News | Quelle/Autor: BKK | Datum: 25. 11. 2009 |

Die Zeiten extrem geringer Krankenstände sind vorüber: Seit 2007 steigen die krankheits- bedingten Fehlzeiten leicht, aber kontinuierlich an. Trotz der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt  lag der Krankenstand von Januar bis Oktober 2009 bei 4,0 Prozent, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 3,8 Prozent (2007: 3,7 Prozent): Vor allem psychische Leiden nehmen zu.
Im gesamten Jahr 2008 fehlten die Arbeitnehmer krankheitsbedingt an 13,4 Tagen, zuletzt lagen vor sechs Jahren die Fehltage auf diesem Wert, während 2006 mit 12,4 Tagen die geringsten Krankentage seit 30 Jahren gemeldet wurden.

Häufigste Krankheitsursachen

Auf Muskel- und Skeletterkrankungen gehen mit 26 Prozent die meisten Krankentage zurück, gefolgt von Atemwegserkrankungen mit 16 Prozent. An dritter Stelle folgen Verletzungen (14 Prozent), deren Anteil gegenüber den Vorjahren abnahm, was auf den Rückgang besonders gefährdender gewerblicher Tätigkeiten zurückzuführen ist. Aktuell sind psychische Erkrankungen mit 10 Prozent aller Krankentage die viert wichtigste Krankheitsgruppe; vor rund 30 Jahren tauchten sie in den Gesundheitsstatistiken kaum auf (1976: 2 Prozent).

Rund ein Drittel der Angestellten fehlen meist nur einen Arbeitstag. Krankheiten, die bis zu drei Tagen dauern, machen 36 Prozent aller Krankschreibungen aus, obwohl hierfür nicht alle Arbeitnehmer eine Bescheinigung vorlegen müssen. Allerdings ist der Anteil dieser kurzen Fälle mit rund 6 Prozent recht gering. Der so genannte „blaue Montag“ ist bei der kalendertäglichen Erfassung der Krankentage nicht belegbar. Die Verteilung des Beginns von Krankschreibungen belegt, dass Krankenscheine - gerade bei Kurzzeiterkrankungen - keineswegs nachweislich häufiger am Montag eingeholt werden.

Entscheidend für die Höhe des Krankenstands sind Fälle, die länger als sechs Wochen dauern. Obwohl sie nur 4 Prozent der Fälle ausmachen, verursachen sie 45 Prozent der Ausfalltage. Gegenüber dem Vorjahr nahmen die langwierigen Erkrankungen noch einmal um 3 Prozent zu. Dies korrespondiert mit dem Ansteigen der Krankengeldzahlungen, die für die meisten Arbeitnehmer ab der 7. Krankheitswoche einsetzen.

Von Krankheiten am meisten Betroffene

Arbeitslose haben mit durchschnittlich fast 26 Krankentagen den höchsten Krankenstand aller Gruppen, wobei es im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von rund 4 Tagen gab. Häufiger krank als andere Arbeitnehmer waren gewerblich Beschäftigte mit hoher körperlicher Belastung: So weisen beispielsweise ältere Maurer und Betonbauer (über 55 Jahre) fast doppelt so viele Fehltage als der Durchschnitt aller Arbeitnehmer auf. Ebenfalls überdurchschnittlich gesundheitlich belastet sind sozialpflegerische Berufe und Reinigungskräfte.

Mehr Krankentage auch bei Führungskräften

Führungskräfte im Management und Ingenieure fehlen krankheitsbedingt mit ein bis zwei Wochen im Jahr weitaus seltener als gewerbliche Arbeitnehmer. Jedoch gibt es auch bei Beschäftigten mit hohen Qualifikationen und Einkommen leichte Steigerungsraten: Freiwillig Versicherte sind gegenüber dem Vorjahr rund einen halben Tag länger krank. Analysiert man die Diagnosen, lassen sich überdurchschnittlich steigende Zunahmen der psychisch bedingten Leiden bei Führungskräften feststellen.

Psychische Erkrankungen

Die steilsten Steigerungsraten bei psychischen Krankheiten weisen
Arbeitslose auf. In den letzten vier Jahren verdoppelten sich ihre psychisch verursachten Krankheitstage. Bei Beschäftigten haben überdurchschnittlich häufig Telefonistinnen, Krankenpflegerinnen und Sozialarbeiterinnen; bei den Männern Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, Sozialarbeiter und Schienenfahrzeugführer wie auch Krankenpfleger seelische Leiden. Aber auch in Branchen mit insgesamt niedrigen Krankenständen wie den Informationsdienstleistungen, dem Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie bei Verlagen und Medien liegen psychisch bedingte Krankentage 3 Prozent über dem Durchschnitt (alle Beschäftigten: 10 Prozent).
 
Häufigste psychische Erkrankungen sind Angststörungen und Depressionen. Bei rund 20 Prozent aller weiblichen und jedem zehnten männlichen Versicherten über 50 wurden Depressionen diagnostiziert. Die Zunahme dieser Erkrankungen liegt auch an verstärkter Diagnostik und Dokumentation durch die behandelnden Ärzte. Auch rücken „neuere“ Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom in den Vordergrund. In der ICD-10 wird dieser Zustand zwar als Einflussfaktor erfasst, das Syndrom aber nicht als eigenständige Krankheit behandelt. Dennoch steigen die Arbeitsunfähigkeitstage mit dieser Diagnose.