Von Boni, Dienstwagen und anderen Vergütungen

Kategorie: Karriere-News | Quelle/Autor: Energie & Management | Datum: 15. 12. 2009 |

Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden in den Konzernen und Unternehmen Vergütungsfragen regelmäßig neu bewertet. Die Frage nach dem „gerechten“ oder „angemessenen“ Gehalt wird von den verschiedenen Beteiligten mit unterschiedlichen Vorzeichen beantwortet. Auch Energieversorgungsunternehmen sehen sich dabei häufig in dem Zwiespalt, auf der einen Seite aus wirtschaftlichen Gründen Personalkosten reduzieren zu müssen, aber auf der anderen Seite in dem Bemühen, qualifizierte Fach- und Führungskräfte zu halten oder gar neu zu gewinnen, marktgerechte Gehälter zahlen zu müssen.

Umso wichtiger ist es, über verlässliche objektive Basisinformationen zu verfügen, wenn man Vergütungsfragen diskutieren und gestalten will. Um diese sachgerechten Informationen im Sinne eines Benchmarks zu liefern, hat der Berufsverband „die Führungskräfte – dFK“ in Essen auch in diesem Jahr seine Gehalts- und Arbeitszeitstudien fortgesetzt und dabei einen besonderen Blick auf die Energiewirtschaft geworfen.
Wie schon in den Vorjahren befindet sich auch in diesem Jahr die Energiebranche bei den Gehältern in der Spitzengruppe. Bei den Gesamtjahresbezügen liegen allerdings die Führungskräfte aus der Mineralölwirtschaft und der Automobilindustrie noch vor den Energieversorgern. In der ersten Führungsebene unterhalb der Unternehmensleitung werden in der Mineralölwirtschaft durchschnittlich 219 000 Euro, in der Automobilindustrie 217 000 Euro und in der Energieversorgung 196 000 Euro verdient. Auch in diesem Jahr lohnt sich aber ein Blick auf das obere Quartil dieser Statistik. Hier zeigt sich die starke Spreizung in den Gehältern. Immerhin 25 % der Energieführungskräfte erhielten 2008 mehr als 281 000 Euro. Im Bankenbereich liegt das obere Quartil immerhin noch bei 236 000 Euro.
Auch in der zweiten Führungsebene behalten die Führungskräfte aus der Automobilindustrie mit durchschnittlich 155 000 Euro im Jahr den Spitzenplatz, liegen hier allerdings gleichauf mit den Bankern; gefolgt von den Energieversorgern mit 151 000 Euro. Mit einem Mittelwert von 116 000 Euro fallen die Energieführungskräfte in der 3. Führungsebene allerdings aus der Spitzengruppe heraus. Deutlich höher liegen hier ihre Kollegen in den Banken (145 000 Euro), in der Mineralölwirtschaft (138 000 Euro) oder auch im Metall-/Elektrobereich (126 000 Euro).

Das Gehalt des Stadtdirektors ist das Maß aller Dinge

Ein völlig anderes Bild ergibt sich in den kommunalen Versorgungsunternehmen. Hier werden in allen Führungsebenen im Branchenvergleich die niedrigsten Gehälter gezahlt. In der ersten Führungsebene waren es 108 000 Euro, in der zweiten Ebene 92 000 Euro und in der dritten Ebene 67 000 Euro.
Angesichts dieser Zahlen hat man nicht wirklich den Eindruck, dass in den kommunalen Versorgungsunternehmen ernsthaft der Versuch unternommen wird, für marktgerechte Gehälter qualifizierte Führungskräfte für das Unternehmen zu gewinnen. Sicherlich sind Stadtwerke in der Regel kleiner als überregionale und regionale Energieversorgungsunternehmen. Allein damit lassen sich aber nicht die frappierend großen Gehaltsrückstände erklären. Bei den Gesamtjahresbezügen spielt sicherlich eine Rolle, dass variable Vergütungsbestandteile bei den Stadtwerken in wesentlich geringerem Maße vorkommen als in anderen Branchen. Im übrigen wirkt sich bei den Festgehältern nach wie vor die traditionelle Anlehnung an öffentlich-rechtliche Vergütungsstrukturen nachteilig aus. Zu einer faktischen Deckelung der Stadtwerke-Gehälter kommt es zudem, wenn in der Kommune die Vergütung der Stadtwerke-Führungskräfte mit den Einkommen politischer Funktionsinhaber verglichen wird. In vielen Fällen ist immer noch das Gehalt des Stadtdirektors das Maß aller Dinge, wenn es darum geht, Vergütungsstrukturen in den Stadtwerken festzulegen.
Auffällig ist nach wie vor die extreme Spreizung in den Vergütungen kommunaler Versorgungsunternehmen. Diese reicht von rund 50 000 Euro in kleineren Stadtwerken bis rund 140 000 Euro in der Spitze in den größeren Unternehmen. Wer sich also entschließt, eine Führungsposition in einem Stadtwerk zu übernehmen, legt damit zwar nicht automatisch das „Gelübde ewiger Armut“ ab, muss sich aber darüber im klaren sein, dass in anderen Branchen und in Energieversorgungsunternehmen, die nicht in Öffentlicher Hand sind, wesentlich besser bezahlt wird.
Blendet man die Bonus- und Tantiemenzahlungen einmal aus, setzt sich das beschriebene Bild der verschiedenen Branchen in der Vergütungstabelle im wesentlichen fort. Energieversorgungsunternehmen liegen hier im Mittelwert bei 144 000 Euro, Automobilmanager aber bereits bei 175 000 Euro, und auch in der Mineralölwirtschaft erhält man in der ersten Führungsebene noch 155 000 Euro. Auch in den nachfolgenden Hierarchieebenen gibt es in dieser Rangfolge nur wenige Verschiebungen.
Der Vergleich der Gesamtjahresbezüge mit den Festgehältern lässt schon vermuten, dass die variablen Gehaltsbestandteile bei Führungskräften einen wesentlichen Anteil ausmachen. Auf 77 % ist der Anteil der Führungskräfte gestiegen, bei denen die Höhe dieses variablen Vergütungsanteils im Verhältnis zum Festgehalt begrenzt ist. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 55 %. Mit Blick auf die Branchen ist auch hier die Bandbreite sehr groß. Gilt die Begrenzung des variablen Gehaltsanteils für 93 % der Energieführungskräfte, ist dies nur bei 38 % der Bankmanager der Fall.

Rolle und Bedeutung von Bonuszahlungen werden neu bewertet

Ein differenzierter Blick auf die variablen Vergütungsanteile lohnt also. Dort, wo es eine Begrenzung des variablen Vergütungsanteils gibt, konnten im statistischen Median in der ersten Führungsebene über alle Branchen hinweg 36 000 Euro, in der zweiten Ebene 30 000 Euro und in der dritten Ebene 24 000 Euro erreicht werden. In der Energieversorgung war ein Bonusanteil von 27 000 Euro theoretisch erreichbar. Zur Auszahlung kamen rund 25 000 Euro. Im Stadtwerkebereich lag das Verhältnis bei 14 000 zu 12 000 Euro.

Bemerkenswert ist, dass auch in diesem Jahr die variablen Vergütungsanteile in den Unternehmen, in denen es eine Begrenzung der Bonuszahlungen gibt, höher waren als in den Unternehmen ohne Begrenzung der variablen Bezüge. Für die Energiewirtschaftsbranche bedeutet dies, dass Bonuszahlungen ohne vorgesehene Deckelung im Median nur 22 000 Euro ausmachten, während man bei einer Begrenzung der Bonuszahlungen immerhin auf 25 000 Euro kam. Bei den kommunalen Versorgungsunternehmen weist der Median für die variable Vergütung ohne Begrenzung sogar eine Nulllinie auf, im Mittelwert waren es immerhin 5 000 Euro. Aber auch hier liegt der Wert klar unter dem Bonusanteil bei einer von vornherein vorgesehenen Begrenzung.

Grundsätzlich kann man sagen, dass die persönliche Leistung auf Grund von Zielvereinbarungen und der erzielte Unternehmensgewinn die entscheidenden Kriterien für die Bonuszahlungen sind.
Vieles deutet auf eine grundsätzliche Neubewertung der Rolle und Bedeutung von Bonuszahlungen in der Gesamtjahresvergütung hin. So ist es wenig überraschend, dass weit über 80 % der befragten Führungskräfte eine Anhebung des Bonusanteils auf Kosten des Festgehaltes ablehnen. Relativ stark ist der Wunsch nach einem höheren Anteil der leistungsorientierten Vergütung bei 34 % der Führungskräfte in der kommunalen Versorgungswirtschaft, was aber wohl in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass hier ein beträchtlicher Rückstand zu anderen Branchen im Festgehalt festzustellen ist. Höher als im Vorjahr lagen im Jahr 2008 die Gehaltsanpassungen im Führungskräftebereich. Mit einem Branchenschnitt von 3 % lag die Entwicklung der Festgehälter um 0,7 % über dem Vorjahr. Besser sah es hier in der Energieversorgung aus, wo es im Mittelwert eine Gehaltsanhebung von 4 % gab. Die Stadtwerke lagen mit einem durchschnittlichen Anpassungssatz von 3,6 % unwesentlich schlechter.

Die Mehrheit fährt im Dienstwagen und arbeitet mehr als 40 Stunden

Die Überlassung von Dienstwagen mit privater Nutzungsmöglichkeit ist in der Energiewirtschaft immer noch weit verbreitet. Deutlich über 80 % aller Führungskräfte kommen in den Genuss eines solchen Dienstwagens. Wesentlich seltener kommt dies bei Stadtwerken vor. Nur etwa 58 % der Führungskräfte im kommunalen Bereich erhalten von ihrem Unternehmen einen Dienstwagen.
Erfreulich weit verbreitet ist nach wie vor die betriebliche Altersversorgung. Nur 1 % der Energieführungskräfte hat überhaupt keine betriebliche Altersversorgungszusage. Einen deutlichen Wandel hat es im Laufe der Jahre aber bei den Finanzierungsformen gegeben. War früher die ausschließlich vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente das Maß aller Dinge, handelt es sich heute in 72 % der Fälle um eine von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam finanzierte betriebliche Altersversorgung; eine Entwicklung, die im kommunalen Bereich langsam nachvollzogen wird. Hier haben noch 51 % der Führungskräfte eine ausschließlich vom Arbeitgeber finanzierte Betriebsrente. In 39 % der Fälle liegt aber schon eine Mischfinanzierung vor.
Abschließend noch ein Blick auf die Arbeitszeit von Führungskräften. In Krisenzeiten sind Führungskräfte besonders gefordert. Deshalb ist es wenig überraschend, dass die Arbeitszeit der Manager in der ersten Führungsebene unterhalb der Unternehmensleitung im Branchendurchschnitt noch einmal angestiegen ist und jetzt bei durchschnittlich 54 Wochenstunden liegt. 25 % der Manager arbeiten sogar mehr als 56 Stunden in der Woche. Damit haben sich die Arbeitszeiten der Führungskräfte noch einmal deutlich von tariflichen Arbeitszeiten entfernt. Unverändert hoch liegen auch die Arbeitszeiten der zweiten und dritten Ebene mit 53 beziehungsweise 52 Wochenstunden. Im Branchenvergleich sieht es bei den Energieversorgern hier etwas günstiger aus. Ihre Wochenarbeitszeit liegt bei 52 Stunden, in den Stadtwerken bei 47 Stunden. Auch dies ist ein Ausweis dafür, dass die Wirtschaftskrise in den Versorgungsunternehmen nicht in der Härte zugeschlagen hat, wie man es aus anderen Branchen kennt.