Arbeiten nach Corona: Das Ende des Großraumbüros?

Kategorie: Top-Thema | Quelle/Autor: EnergyRelations | Datum: 23. 08. 2020 |

Bei Siemens dürfen künftig 140.000 Mitarbeiter bis zu drei Tage in der Woche von zu Hause arbeiten. Die Corona-Pandemie zwingt in Stadtwerken und bei Versorgern massenhaft Arbeitnehmer in das Homeoffice. Viele Unternehmen und ihre Mitarbeiter betreten dabei Neuland. Damit das funktioniert, braucht es auch eine moderne Bürokultur und ein neues Mindset in der Belegschaft

Azubis lernen bei der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH zu Hause über digitale Lernplattformen. Virtuelles Recruiting bei EnBW: von der Online-Bewerbung bis zum virtuellen Bewerbungsgespräch läuft alles über Telefon- oder Videokonferenzen. Auch ein Onboarding im Homeoffice ist plötzlich möglich, flankiert mit passenden Online-Angeboten. Weiterbildungen via Präsenz-Workshops – alle abgesagt! E-Trainings und kostenlose Webinare ersetzen seit April die klassischen Präsenzschulungen. Die Corona-Krise beschleunigt somit den digitalen Wandel und die Art und Weise, wie wir künftig arbeiten.

Digitalisierung ist eine Frage der Kultur

Bewährte Managementmethoden wie Kaizen oder Six Sigma stehen plötzlich ebenso auf dem Prüfstand wie heterogene Organisationsformen oder der klassische Arbeitsplatz. Doch bei allem Engagement und der Einführung innovativer Tools in der Mitarbeiterkommunikation, im Kundenservice oder im virtuellen Recruiting. Recht schnell reift die Erkenntnis: Der digitale Wandel ist kein technischer, sondern ein kultureller Wandel. Denn entscheidend ist weniger die Technik, als die Veränderung von Verhaltensformen und -normen. Erst durch die bewusste und konsequente Veränderung der Art und Weise, wie Menschen im Unternehmen und im Homeoffice arbeiten, wie Führungskräfte auch virtuell führen, verändern wir die Organisation und letztlich die Unternehmenskultur. Und erst durch diese kulturelle Veränderung wird auch der digitale Spirit in der Belegschaft so richtig zum Leben erweckt! Die Digitalisierung liefert insofern nur die Voraussetzungen für New Work. New Work geht immer mit einem neuen (digitalen) Mindset einher bzw. einer offenen Haltung für eine neue Arbeitsweise, für eine neue Arbeitskultur, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Arbeitsplatz der Zukunft: Großraumbüro adé!

Wir wissen nicht, wie die Zukunft nach Corona aussehen wird? Gänzlich auf die analoge (alte) Arbeitswelt verzichten werden wir wohl nicht. Schließlich wissen wir, wie wichtig persönliche Netzwerke sind, wie unverzichtbar das Kommunizieren und Teaming mit Kollegen/-innen im Büro ist. Die Sorge, dass das Büro seinen Wert verlieren wird, ist unbegründet. Vielmehr wächst der Bedarf nach modernen Büros und digitalen Arbeitsplätzen. Agiles und vernetztes Arbeiten erfordert ein passendes Arbeitsumfeld. Kreativität braucht schließlich Platz! Und: um der Grundidee des modernen Arbeitslebens zu folgen, braucht es Raum für die unkomplizierte Kollaboration und lockere Begegnung von Kollegen und Kolleginnen verschiedener Abteilungen. Isolierte Einzelzellen mit Namensschild an der Tür oder Großraumbüros mit Desksharing-Konzept stehen schon länger auf dem Prüfstand. In den neuen „Smart Offices“ der Zukunft sollen Coworking-Spaces das Arbeiten in Communities erleichtern, Lounge-Bereiche zum Networken einladen und gläserne Cubes das Wohlbefinden bei Meetings und Trainings steigern. Wie immer sich die neue flexiblerer Arbeitswelt nach Corona im Büro und Homeoffice gestalten wird – die Bürokultur muss sich an den konkreten Arbeitsweisen und der Unternehmensidentität orientieren.

Zur digitalen Welt gehören neue Raumkonzepte

Zur digitalen Arbeitswelt gehören zweifelsohne auch neue Raumkonzepte für Bildung, die in manchen Stadtwerken und EVUs bereits vor der Krise entstanden sind. Sogenannte Innovationsräume (Education Innovation Lab), hybride Klassenzimmer oder Design Thinking Räume, die die passende Atmosphäre für mehr Kreativität und Inspiration schaffen. Das Raumkonzept dieser „Lernwerkstätten“ soll neue Denkweisen fördern, Vorbehalte mancher Mitarbeiter gegenüber der Digitalisierung und neuer Technologien abbauen und Lernende befähigen, aktive Gestalter*innen der neuen Energiewelt zu werden. Damit verbunden ist zugleich eine Transformation der Weiterbildung bzw. der klassischen Lernkultur hin zu virtuellen Angeboten. Die Unternehmen sind daher gut beraten, ihre Bildungsstrategie den neuen Arbeits- und Lernwelten anzupassen.

Krisen schaffen bekanntlich neue Freiräume, setzen neue Energien frei, lösen alte Phänomene und Gewohnheiten auf. Unsere Arbeitswelt hat sich in der Krise in eine neue Richtung verändert und ein neues Bewusstsein in der Belegschaft geprägt – für die Notwendigkeit und die Chancen des digitalen Wandels. Somit wird die Krise zum Prüfstein für unsere Arbeitswelt, Bildungs- und Bürokultur.

>>Die aktuelle Ausgabe des personal.magazin plus widmet sich der Bürokultur in Zeiten neuer Arbeitswelten>>