Aufbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität schafft 255.000 Arbeitsplätze

Kategorie: Top-Thema | Quelle/Autor: EnergyRelations / BEM | Datum: 08. 12. 2019 |

Die Umstellung auf Elektromobilität wird der neue Jobmotor für die Energiewirtschaft. Allein der Aufbau der Ladeinfrastruktur für die Beladung der eAutos wird nach einer Studie des Bundesverbands eMobilität e.V. (BEM) in Berlin in den nächsten 10 Jahren bis zu 255.000 Fachkräfte benötigen. Hinzu kommen neue Arbeitsplätze im Automotive-Bereich oder bei der Batterieherstellung.

Die 255.000 Arbeitsplätze sollen demnach vor allem die Bereiche Planung, Bau, Installation, Betrieb und Wartung der Ladeinfrastruktur betreffen. Auch die Integration stationärer Speicher zur Lastspitzenkompensation, die Installation zusätzlicher erneuerbarer Energieerzeugungs-Anlagen sowie die Vorgänge zur Prüfung der Mess- und Eichrechtskonformität bilden neue Tätigkeitsfelder, für die schon heute zu wenig Fachkräfte zur Verfügung stehen. Das betrifft insbesondere die Berufsfelder Elektriker, Elektrotechniker, Service, IT und Montage, die maßgeblich bei der Installation und Projektierung der Ladeinfrastruktur benötigt werden. Aber auch Projektmanager für E-Mobilität werden gesucht. Hinzu kommen neue Arbeitsplätze bei der Batterieherstellung sowie Arbeitsplätze im Automotive-Bereich. Allein die geplante Ansiedlung der Tesla-Gigafactory in Brandenburg bedeutet für die Region bis zu 7.000 neue Jobs.

Damit die BEM-Prognose auch aufgeht, braucht es mehr E-Autos auf Deutschlands Straßen und ca. 300.000 Ladesäulen im öffentlichen und halböffentlichen Bereich. Hinzu rechnen die Experten durch die Umsetzung der EU-Gebäude-Energieeffizienz-Richtlinie mit der Errichtung von etwa 10 Millionen Ladepunkten im privaten Wohn- und Mieteigentum sowie an Arbeitsplätzen.

Eine Million Ladesäulen in den nächsten 10 Jahren

Allerdings läuft der Aufbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland sehr schleppend. Derzeit gibt es etwa 21.000 öffentliche Ladepunkte. Hinzu kommt viel Frust beim Stromtanken durch unterschiedliche Tarifsysteme und Wucherpreise. An manchen Ladeplätzen funktioniert auch gar nichts! Bei seinem aktuellen jährlichen Ladesäulen-Check stellte der Stromanbieter LichtBlick je nach Region und Anbieter massive Preisunterschiede fest. Spitzenreiter war EnBW mit umgerechnet 54,4 Cent. Dass es auch anders geht, zeigen etwa die Anbieter Stromnetz Hamburg mit einem Preis von 29,5 Cent und Mainova mit 13,3 Cent. Bei den Stadtwerken Leipzig und RheinEnergie ist das Laden für Kunden sogar kostenlos.

Neuer Schwung in die Ladeinfrastruktur kommt mit dem im November beim Autogipfel beschlossenen „Masterplan Ladeinfrastruktur“. Bis 2030 sind eine Million Ladesäulen geplant, damit Ende des nächsten Jahrzehnts auch die angepeilten zehn Millionen E-Autos auf den deutschen Straßen tanken können. Dazu soll es zunächst bis 2025 eine Förderung geben, damit Ladesäulen auch in ländlichen Regionen errichtet werden können. Tankstellen drohen Auflagen, wenn der Ausbau eines Ladesäulen-Netzes nicht vorangeht. Bis 2022 peilt die Regierung mindestens vier Schnell-Ladepunkte an jeder Autobahn-Raststätte an. Um mehr private Ladepunkte zu ermöglichen, soll noch dieses Jahr das Miet- und Wohnungsrecht überarbeitet werden. Mieter können dann vom Vermieter die Erlaubnis zum Bau von Ladepunkten fordern. Die Autobranche sagte beim Gipfel zu, bis 2022 selbst rund 15.000 öffentliche Ladepunkte beizusteuern.

Viele Akteure tummeln sich auf dem Markt

Für die Nutzer ist die Situation an den Ladesäulen nach wir vor unübersichtlich. Auf dem Markt tummeln sich eine Vielzahl von Charge Point Operator (CPO), E-Mobilität Provider (EMP) und Stromlieferanten. Akteure sind junge und dynamische Aufsteiger wie The Mobility House oder Ubitricity, etablierte Stromversorger wie Innogy oder Vattenfall, Supermarktketten wie Aldi und Rewe, die Schwergewichte aus der Autoindustrie wie Volkswagen oder BMW, der US-Konzern Charge Point, der Ölmulti Shell mit New Motion oder auch die Deutsche Telekom, die E-Auto-Fahrern grenzenlose Mobilität mit GET CHARGE bietet.

Es sieht nach Goldgräberstimmung aus: Gefühlt sieht man in jeder Stadt eine Ladestation vom lokalen Stadtwerk oder einem der großen Energieversorger. Doch rechnet sich das Geschäft schon? Im Durchschnitt kommen in deutschen Großstädten drei Elektroautos auf einen Ladepunkt. Folglich rechnet sich eine Ladestation trotz staatlicher Förderung bei der Errichtung nicht über den reinen Stromverkauf. Betreiber öffentlicher Ladesäulen können daher nur über Zusatzleistungen Profit genieren.

Milliardenmarkt für die Energiewirtschaft

Auch wenn eMobility für Konzerne wie Innogy aktuell noch ein Verlustgeschäft ist, mit Investitionen von 28 Millionen EUR und höheren Mitarbeiterzahlen zeigt der Essener Konzern, dass er die Elektromobilität für einen starken Wachstumsmarkt hält. Bestätigung gibt ihm die Studie „Utilities: Lead the Charge in eMobility“ von Accenture, die den Energieversorgern einen milliardenschweren Markt prognostiziert. Und dies nicht nur beim Verkauf von Kilowattstunden für E-Autos, sondern für neue Angebote wie Remote-Ladevorgänge und Services in der Bezahlungsabwicklung oder über Leasingangebote.

Markus Emmert, Wissenschaftlicher Beirat und Leiter der Arbeitsgruppen im BEM, kommentiert die Beschäftigungsentwicklung im Wachstumsmarkt Ladeinfrastruktur so: „Der Umbau der Fahrzeugindustrie und der Energiebereitstellung erfordern über Jahre enormen Aufwand und neue Jobs. Allein der Bereich Ladeinfrastruktur schafft Arbeitsplätze, die bislang niemand auf dem Schirm hat – insbesondere, weil sich hier die Bereiche Energie und Mobilität verbinden. Die ersten Personal-Engpässe zeigen uns bereits schon heute, dass erheblicher Arbeitskräfte-Bedarf besteht, dem wir jetzt entgegenwirken sollten.“ Energieversorger sind daher gut beraten, in die Mobilitäts-Kompetenz ihrer Belegschaft zu investieren.