Kann man Energie 4.0 studieren?

Kategorie: Top-Thema | Quelle/Autor: EnergyRelations | Datum: 13. 06. 2017 |

Die Digitalisierung revolutioniert die Energiewirtschaft. Und dies in allen Bereichen - von der Erzeugung und Verteiltung über Themen wie eMobility oder Smart Home bis hin zum Energiehandel. Damit werden zwangsläufig auch ganz neue Berufsfelder entstehen, in denen Energie- und IT-Kompetenzen zusammenfließen. Allerdings sind Ausbildungsangebote, die die Anforderungen an „Energie 4.0“ abdecken noch Mangelware.

Die Energiewende ist der zentrale Treiber für eine digitale Transformation, die die Energiewirtschaft in den nächsten Jahren völlig umkrempeln wird. Digitale Ansätze gibt es schon viele: von der Bündelung dezentraler Erzeugungsanlagen zu virtuellen Kraftwerken oder die Steuerung von Verteilnetzen über regelbare Ortsnetzstationen (RONT). Darüber hinaus halten Cloud Solutions, Big Data oder digitale Messsysteme Einzug bei den Stadtwerken und Energieversorgern. 

Mit digitalisierten Energieprodukten, Smart Metering, Smart Home und Online-Diensten werden auch völlig neue Berufsbilder entstehen müssen. Schon heute steigt der Bedarf an Experten bei den Energie- und IT-Unternehmen, die sowohl von Energie als auch von IT etwas verstehen. Halt Spezialisten, die die Steuerung eines Netzes und die Integration und Erzeugung von Energie unabhängig von einer bestimmten Technologie gelernt haben. Allerdings sind Studiengänge und Ausbildungsangebote, die die neuen Anforderungen an „Energie 4.0“ abdecken bislang absolute Mangelware.

Erste Universitäten integrieren die Grundlagen der Informatik sowie technische und wirtschaftliche Aspekte der heutigen und zukünftigen Energieversorgungssysteme in den Studiengang „Energie-Informatik“. So zum Beispiel die Hochschule Ruhr West in Bottrop, die TU-München, die HS Hamm-Lippstadt oder die Wilhelm Büchner Hochschule in Darmstadt

Eine echte Ausnahme im gesamten deutschsprachigen Raum ist jedoch der Masterstudiengang „Energy Economics“ an der Fachhochschule Oberösterreich. Am Campus Hagenberg bei Linz werden u.a. Themen wie IT-Security, Meter Data Management Systems oder Smart Grid Field Components gelehrt. Internationales Projektmanagement, internationale Energiemärkte sowie Cloud Computing/Big Data runden das 4-semestrige (englisch-sprachige) Studienprogramm ab.

Fazit: Die Kapazitäten an den Hochschulen reichen bei weitem nicht, um den Bedarf der Netzbetreiber und EVUs an ITK-Ingenieuren und Energieinformatikern zu decken. Studierenden im Bereich Elektrotechnik wird empfohlen, sich zusätzlich um IT-Kompetenzen zu kümmern. Andersherum sollten sich Informatiker, die ihre Zukunft im Energiemarkt sehen, u.a. mit Energiemanagement, intelligenten Netzen und Speichersystemen beschäftigten.