Digitalisierung entscheidet über den Erfolg der Energiewende

Kategorie: Karriere-News | Quelle/Autor: EnergyRelations | Datum: 06. 03. 2016 |

Es geht einfach nicht mehr ohne in der modernen Energiewelt – nicht ohne Kommunikations- und Informationstechnik. Energie und Daten vernetzen sich, neue Online-Geschäftsmodelle entstehen und immer mehr Start-ups steigen mit App-Lösungen in den Energiemarkt ein. Was sich automatisieren lässt, wird automatisiert. Die Zukunft der Energiewirtschaft ist digital.

Mit einer App die Heizung steuern, Messstellendaten übertragen, Rechnungen einsehen und bezahlen oder Servicetermine für die Energieberatung vereinbaren: Für mehr als 50 Prozent der British Gas Kunden in Großbritannien gehört dies längst zum Alltag. Sie gehen im Durchschnitt zweimal täglich über mobile Geräte online mit Ihrem Energieversorger. Bereits seit 2012 setzt British Gas in UK auf die digitale Interaktion mit seinen Kunden. Neben intelligenten Thermostaten werden Energiemanagement-Services angeboten und selbst der Energieverbrauch bei den Nachbarn lässt sich via App vergleichen.

Die Zukunft der Energiewirtschaft ist digital

Laut einer aktuellen PwC-Studie erwarten 80 Prozent der befragten Energieunternehmen, dass die Digitalisierung bis Ende 2017 das gesamte Unternehmen erfasst haben wird. Bislang haben lediglich 17 Prozent der befragten EVUs eine Digitalisierungsstrategie erarbeitet und dies meist im Bereich Netz-Steuerung, Virtuelle Kraftwerke oder Smart Home. Fest steht, der Anteil der energietechnischen- und wirtschaftlichen Kompetenz wird kleiner, andere Kompetenzen – gerade im IT-Bereich – dagegen werden erfolgskritisch.

Dass die Digitalisierung längst auf dem Radar der Energieunternehmen ist, dies spürten auch die Messebesucher der diesjährigen E-world energy & water 2016. Erstmals fand hier der Energy App Award statt. Gekürt wurden innovative Ideen in den Kategorien „Customer Benefit“ „Innovation“ und „Future Concept“. Die Sieger lauten: „daheim. Smart Home von hier“ (Thüga Aktiengesellschaft), „Open Energy Exchange OEEX“ (OEEX) und „Hyko“ (CareToSave).

Bildung neu denken

Was die Digitalisierung mit sich bringt, ist ein größerer Bedarf an Fachexperten mit digitalem Know-how. Hochschulen reagieren auf die Digitalisierung der Energiewirtschaft mit entsprechenden Studiengängen wie drei Beispiele zeigen: Mit dem Vertiefungsstudium „IT in der Energiewirtschaft“ nutzen Studierende an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg ein viersemestriges Masterprogramm. In Aachen an der FH wird für Bachelorabsolventen der Bereiche Elektrotechnik/Energietechnik oder Informatik der Masterstudiengang „Energiewirtschafts-Informatik“ angeboten. Einen Bachelor-Studiengang „Energieinformatik“ bietet der Campus Bottrop der HS Ruhr-West an. In sieben Semestern werden Aspekte wie nachhaltige Energieerzeugung durch Windkraft, Energiespeicherung, Energiehandel und IT im Energiemarkt vermittelt.

Digitale Fähigkeiten sind gefragt

Bei allem digitalen Aktionismus in den IT- und Organisationsabteilungen der Energieunternehmen – Digitalisierung bedeutet auch immer eine andere Art des Arbeitens und neue „digitale“ Kompetenzen bei den Mitarbeitern. Noch sind Stellenausschreibungen bei Stadtwerken wie Chief Digital Officer oder Projektleiter Digitalisierung eher selten. Digitale Fähigkeiten rücken aber immer mehr in den Focus der Recruiting Prozesse. Dies bestätigen auch die Macher der PwC-Studie, für die die Digitalisierung eine Querschnittsaufgabe ist, in die EVU’s auch personell mehr investieren müssen.

Jedoch ist es mit der Rekrutierung von jungen Informatikern allein nicht getan. Schließlich gilt es, auch die Beschäftigten mit 20 und 30 Jahren Berufserfahrung in die neue Arbeitswelt mit zu nehmen. Denn fast jeder Job in der Energiewirtschaft wird in Zukunft auch eine digitale Komponente haben. Elektromeister vernetzen sich mit Energietechnikern in anderen Firmen, um Anlagen und Komponenten schneller auf Fehler zu überprüfen. Netzmonteure warten Strom- und Gasleitungen mit einem Tablet-PC und haben dank angeschlossenem Geoinformationssystem und mobilem Workforcemmanagement direkten Zugriff auf Pläne, Routen und Netztopologie. Voraussetzung dafür: lebenslanges Lenern! Für Stadtwerke und Energieversorger werden eine angepasste (digitale) Qualifizierung, mehr Medienkompetenz sowie Selbstorganisation wichtiger. Und: mehr Mut für neues Denken!