Heiße Energiequelle

Kategorie: Karriere-News | Quelle/Autor: EnergyRelations | Datum: 26. 11. 2015 |

Das Innere der Erde ist heiß. Diese Wärme zu nutzen, ist Ziel der Geothermie. Oft unterschätzt, gehört sie weltweit gesehen zu den ergiebigsten erneuerbaren Energiequellen. In Island werden bereits über 50 Prozent der Primärenergie aus geothermaler Energie gewonnen. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Anlagen und Projekte mit Erdwärme. Die Wachstumsbranche bietet interessante Job-Perspektiven.

Tief unter dem Münchener Stadtteil Freiham befindet sich in über 2.300 Metern ein gewaltiges Heißwasservorkommen, mit dessen natürlicher Wärme ab 2016 der Stadtteil beheizt werden soll. In einem geschlossenen Wasserkreislauf wird dabei das 80 bis 100 Grad heiße Thermalwasser über eine Förderbohrung an die Oberfläche gepumpt und im Geothermie-Heizkraftwerk der Stadtwerke München (SWM) aufbereitet, bevor es abgekühlt wieder über eine Injektionsbohrung ins Erdreich zurückgeführt wird. Die Geothermieanlage Freiham ist der erste Baustein der SWM Fernwärme-Vision: Bis 2040 München zur ersten deutschen Großstadt zu machen, in der Fernwärme zu 100 Prozent aus regenerativen Energien gewonnen wird. Den wesentlichen Beitrag hierzu wird die Geothermie liefern.

Heizen mit Erdwärme

Nicht nur in München, sondern bundesweit entstehen immer mehr Geothermiekraftwerke, das Geschäft mit Erdwärmepumpen wächst rasant. Über 17.300 Beschäftige (2009: 14.500) sind es bereits, überwiegend tätig in der oberflächennahen Geothermie mit Bohrungen bis ca. 400 Meter Tiefe und Temperaturen bis 25 °C. Dort, wo man die Erdwärme aus den oberen Erdschichten holt, boomt das Geschäft mit der Energie. Zum Einsatz kommen dabei Erdwärmepumpen – bei Bohrungen von rund 1 Meter mit horizontal verlegten Erdkollektoren und bis zu 100 Meter mit Erdwärmesonden als Wärmequelle. Im Bereich der Tiefen Geothermienutzung (1.500 Beschäftigte) geht es schon mal bis zu 7.000 Metern ins Erdinnere, um dort Thermalwasser für die Energieerzeugung und Fernwärmeversorgung von ganzen Ortschaften oder Stadtteilen wie München-Freiham zu generieren. Aber nicht nur die Wärme aus dem Erdinneren kann zur Energieerzeugung genutzt werden, auch die Temperatur der Umgebungsluft wird mittels Wärmepumpen zur Bereitstellung von Wärme genutzt.

Geothermiemarkt wächst weltweit

Bei 3% liegt der Anteil der Geothermie am Energiemix. Jedoch nimmt die Bedeutung von Erdwärme für die Wärmeversorgung und Stromerzeugung nach Aussagen des Bundesverband Geothermie stetig zu. Bei den Neubauten haben Wärmepumpen mittlerweile einen Marktanteil von rund 30 Prozent, Tendenz steigend. Bei den Geothermieanlagen weltweit schätzt man die thermische Leistung auf insgesamt 70 GW (Zuwachs von 39% seit 2010) und die installierte elektrische Leistung auf rund 10 GW. Wenn es um die Erzeugung von Strom aus Geothermie geht, dann spielen Länder wie USA, Phillipinen oder Indonesien eine größere Rolle als Deutschland. Lediglich 27 Megawattstunden Strom wurden hier 2014 aus Erdwärme gewonnen. Größere Bedeutung kommt der Geothermie im Bereich der Wärmebereitstellung zu, immerhin rund sieben Prozent der regenerativ erzeugten Wärme stammt aus oberflächennaher Geothermie (ca. 320.000 Anlagen). Im Jahr 2014 lag die erzeugte Menge an Wärme aus Geothermieanlagen in Deutschland bei rund elf Terawattstunden.

Brunnenbauer gesucht

Die Hersteller von Wärmepumpen und Bohrgeräten, die Bohrunternehmen selbst und nicht zuletzt die beteiligten Planungsbüros suchen Fachkräfte speziell mit technischer oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung. Neben Geologen meist Werkstoffingenieure, Verfahrenstechniker, Bau- und Elektroingenieure oder Hydrauliker und Umweltingenieure. Besonders gefragt sind Brunnenbauer (3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Berufsfeld Bautechnik), die die nötigen Pumpwerke errichten und Rohrleitungen verlegen. Außerdem bauen sie Erdwärmesonden ein und machen Wasservorratskammer erst ausfindig.

Hochschulen spezialisieren sich in Geothermie

Auch der Ingenieur-Anteil in der Geothermie wächst und da es nur wenige Spezialisten gibt, die das technische Know-how mitbringen haben sich einige Hochschulen wie z.B. Ulm und Biberach in Ihren Studiengängen zu Energietechnik oder Energiesystemtechnik auf das Wissen rund um Geothermie spezialisiert. Dazu gehören auch die Fakultäten in Freiburg, Aachen und Darmstadt mit ihren Studienangeboten in Geothermie und Georessourcenwissenschaften. Zu einem Zentrum für die Geothermieforschung in Europa hat sich die "Bochum Graduate School Applied Research on Enhanced Geothermal Energy Systems (AGES)“ der Ruhr-Universität Bochum (RUB) entwickelt.