Der Arbeitsmarkt Energiewirtschaft

Energiemärkte im Wandel

Die Energiewende bringt neuen Schwung in den Personalmarkt der Energiewirtschaft und wird langfristig sehr viel mehr Jobs schaffen, als in den fossilen Erzeugungsbereichen verloren gehen. Der deutsche Arbeitsmarkt profitiert nach einer aktuellen BMWi-Studie von positiven Energiewende-Effekten bis ins Jahr 2050. Bis zu 230.000 neue Arbeitsplätze sollen durch die Erneuerbaren Energien entstehen, vorausgesetzt die politischen Weichen werden dafür rechtzeitig gestellt und die nötigen Investitionen fließen. 

Konventionelle Energien

In der Energie- und Wasserwirtschaft in Deutschland waren lt. Statistischem Bundesamt Ende 2014 rund 236.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Entwicklung der Arbeitnehmerzahlen ist je nach Sparte recht unterschiedlich. Während im Bereich Strom bzw. Wasser die Zahl der Beschäftigten um 1,7% bzw. 0,7% leicht anstieg, ist sie im Bereich Wärme- und Kälteversorgung mit 1,4% eher rückläufig.  Im Schweizer Energiemarkt sind rund 25.000 Arbeitnehmer in den knapp 1.000 Energieunternehmen beschäftigt. In Österreich gibt es in der Energie- und Wasserversorgung (inklusive Zulieferer) rund 2.150 Unternehmen mit knapp 69.000 Arbeitsplätzen.

Rechnet man bei den rein kommunalen Energiebetrieben (Stadtwerken) die Wirtschaftszweige im Querverbund hinzu, so ergibt sich laut dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ein Beschäftigtenstand von 250.000, wobei hier allein die Bereiche Verkehr, Breitband, Abfall, Abwasser und Wasser rund 118.000 Beschäftige ausmachen.

Trotz des Booms der Erneuerbaren Energien bleibt die klassische Energiewirtschaft ein starker Wirtschaftszweig. Durch die Modernisierung des Kraftwerksparks, den Netzausbau und die neuen Geschäftsmodelle z.b. rund um Energieffizienz oder Elektromobilität ergeben sich nicht nur positive Beschäftigungseffekte mit einer wachsenden Nachfrage an Nachwuchs- und Fachkräften, sondern auch Perspektiven in neuen Berufen, wie z.B. dem Regulierungsmanager, Effizienzberater oder Energiehändler. Oder Thema Kernenergie: Auch wenn Deutschland den Atomausstieg beschlossen hat, gibt es für technische Fachkräfte bei den Kraftwerksbetreibern und -herstellern im In- und Ausland genug zu tun - ob in der Wartung bestehender Kernkraftwerke in Übersee oder beim Rückbau heimischer Atommeiler.

Die größte Anzahl der Beschäftigten gibt es nach wie vor im energietechnischen Bereich, in der Energieerzeugung und -verteilung. Vor allem Ingenieure aus den Bereichen Elektrotechnik, Energietechnik, Bergbau, Maschinenbau und Verfahrenstechnik werden hier gesucht. Zunehmender Bedarf an Ingenieuren und Naturwissenschaftlern besteht auch in den Bereichen der Energieeffizienz und der E-Mobility, der neuen Querschnittstechnologie zwischen Automobil- und Energiewirtschft. Betriebswissenschaftler (BWL/VWL) haben nach wir vor gute Chancen im Consulting, dem Energiemanagement, -vertrieb und -marketing; Bereiche, die infolge des zunehmenden Energiewettbewerbs eine immer größere Rolle spielen werden. Dazu zählen auch der Energie- und Emissionshandel. Nicht zu vergessen auch die vielen Forschungsinstitute als Quelle der vielen neuen Energietechnologien „Made in Germany“. Die Perspektiven für Absolventen mit ingenieur-wissenschaftlichem und betriebs-wissenschaftlichem Know-how sind daher in der Energiewirtschaft weiterhin vielversprechend.

Infotipp: www.bdew.de, www.vde.com, www.kernenergie.de

Erneuerbare Energien

Weltweit waren 2017 fast 10 Mio. Menschen in der Erneuerbaren-Energien-Branche beschäftigt. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der globalen Arbeitsplätze im Solar- und Windbereich dank sinkender Kosten und staatlicher Förderprogramme fast verdoppelt. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Beschäftigten: Hierzulande waren im Jahr 2016 rund 338.600 Personen im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig. Das sind 10.000 mehr als im Vorjahr und 5 mal so viele wie im Kohlesektor!  Jobverluste verzeichneten die Sparten Photovoltaik und solarthermische Kraftwerke mit derzeit 45.200 Beschäftigten, ein Rückgang zum Boomjahr 2011 von über 100.000 Stellen. Der Bereich der öffentlich geförderten Forschung und Verwaltung stellt etwa 2% der gesamten EE-Beschäftigten.

Im Durchschnitt kommen auf 1.000 Beschäftigte fast 10 EE-Beschäftigte, d.h. etwa jeder 100. Arbeitsplatz steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Das Bundesland mit den meisten EE-Arbeitsplätzen ist Bayern mit über 60.000 relativ dicht gefolgt von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und schließlich - weitere 5.000 Beschäftigte weniger - Baden-Württemberg. Auf dem untersten Rang befindet sich mit der geringsten Bruttobeschäftigung von knapp 2.700 das Saarland. 

Windenergie

Die Windbranche gilt als die Wachstumsbranche in Deutschland und hat mit derzeit rund 45 Prozent den größten Anteil an der Stromerzeugung unter den Erneuerbaren Energien. Bis 2020 rechnet die Branche mit einem Zuwachs der Arbeitsplätze von 160.200 (2016) auf insgesamt 200.000. Davon werden viele neue Jobs in der Offshore-Windenergie entstehen, die im Energiekonzept der Bundesregierung auf Platz 1 der Erneuerbaren Energie rangiert. 2015 setzte jedoch die Kehrtwende ein nach 3 Jahren Beschäftigungszuwachs (-9 Prozent): Die Windenergie an Land kam dabei noch auf insgesamt 133.000 Arbeitsplätze, 27.200 Beschäftigte zählte die Windindustrie auf dem Meer. Der Wind weht in neue Märkte. Zudem werden viele ältere Anlagen erneuert und auf mehr Leistung umgerüstet (Repowering). Der Bereich Wartung und Service von Windenergieanlagen wächst stetig - und dies bundesweit. Für Ingenieure bedeutet die Windbranche ein sehr breites Tätigkeitsspektrum – von der Forschung, der Fertigung von Rotorblattblättern bis zum Management und der Finanzierung von Windenergieprojekten. Vor allem die klassischen Ingenieurberufe aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro-, Energie und Verfahrenstechnik werden hier weiter gesucht.
Infotipp: www.wind-energie.de

Solarwirtschaft

Die Solarenergie zählt zweifelsohne zu den wichtigsten Energielieferanten der Zukunft, selbst in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise verzeichnete die boomende Sonnenbranche – nicht zuletzt dank stabiler Förderbedingungen – Wachstum. Jedoch nicht mehr in Deutschland! Die Solarindustrie, unterteilt in zwei Bereiche: der Photovoltaik (Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie) und der Solarthermie (Nutzung von Sonnenenergie zur Erzeugung von Wärme), leidet hierzulande unter steigenden Modulpreisen und Überkapazitäten. Ende 2013 waren noch gut 4.800 Menschen in der Herstellung von Solarzellen und Solarmodulen beshäftigt - rund 2.700 weniger als im Jahr zuvor. Laut aktueller Prognosen sind in der Solarindustrie nur noch etwa 45.200 Arbeitsplätze, über 100.000 Jobs gingen seit dem Boomjahr 2011 (150.000) verloren. Vom weltweiten Boom profitieren nun andere. Etwa die USA: Dort stieg die Zahl der Beschäftigten in der Solarindustrie 2017 auf 260.000 Mitarbeiter an und umfasste damit fast doppelt so viele wie die dortige Kohleindustrie mit 93.000 Mitarbeitern.Charakteristisch für die Solarwirtschaft sind hochtechnologische Verfahren, technische Innovationen und vielfältige Berufsbilder wie zum Beispiel der Solarteur. Für den Bau von Solardachanlagen und Photovoltaikkraftwerken oder die Herstellung von Solarzellen werden in erster Linie Techniker wie Elektro- und Automatisieurungstechniker oder Ingenieure aus den Bereichen Energietechnik, Maschinenbau, Physik und Verfahrenstechnik gesucht.
Infotipp: www.solarwirtschaft.de

Bioenergie

Unter den Erneuerbaren Energien gilt die Bioenergie als einer der vielseitigsten Energieressourcen. So dient beispielsweise Holz in Pelletheizungen als Rohstoff für die Wärmeerzeugung, durch die Vergärung von Gülle entsteht Biogas und aus Raps- und Sojaöl wird Biodiesel gewonnen. Das Potenzial der Bioenergie scheint demnach unerschöpflich. Mit 105.200 Beschäftigten zählt die Branche daher zum zweitgrößten Arbeitgeber innerhalb der Erneuerbaren Energien und laut aktuellen Schätzungen sollen bis 2030 rund 80.000 neue Jobs in den Bereichen Biomasse, -gas und -kraftstoffe entstehen. Der Bioenergiesektor bietet gute Einstiegschancen für Agraringenieure, Verfahrenstechniker und Maschinenbauingenieure. Einsatzmöglichkeiten ergeben sich u.a. beim Anbau von Biomasse, deren Transport und Aufbereitung sowie bei der Planung und Projektierung der unterschiedlichen Anlagentypen bis hin zum Anlagenbetrieb und -vertrieb.
Infotipp: www.bioenergie.de oder www.biogas.de

Geothermie

Die Geothermiebranche erlebt derzeit in vielen Ländern wie zum Beispiel in den USA  oder Island einen Boom, denn neben der direkten Nutzung als Wärme- und Kühlsystem kann Geothermie auch zur Stromerzeugung oder zur Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden. 53 Prozent der Primärenergie resultiert in Island aus Erdwärme. Anders in Deutschland, wo die geologischen Bedingungen den Einsatz und Betrieb von Wärmekraftwerken erschweren. Bis 2020 soll jedoch auch hierzulande die geothermische Stromerzeugung um ein Vielfaches wachsen, in vielen Bundesländern entstehen schon heute immer mehr Erdwärmekraftwerke. Rund 20.300 Beschäftigte sind in der Herstellung von Wärmepumpen, im Vertrieb oder bei den Bohrunternehmen tätig. Für die Erschließung der Wärmequellen sind Kenntnisse aus der Geowissenschaft und Bergbautechnologie gefragt, für die Errichtung der Wärmeanlagen sind es primär Ingenieure aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Bauphysik und der Energieversorgung.
Infotipp: www.geothermie.de

Wasserkraft

Die Wasserkraft trägt mit rd. 20 Milliarden Kilowattstunden zu rd. 4 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland bei. Der Schwerpunkt liegt in Süddeutschland. Beispiel Bayern, wo der Anteil der Wasserkraft an den Erneuerbaren Energien rund 60 Prozen ausmacht. Große neue Wasserkraftanlagen gibt es selten, der Markt wird bestimmt von kleinen Wasserkraftanlagen, Pumpspeicherkraftwerken, dem Repowering alter Anlagen (retro-fit-Maßnahmen) sowie dem Ersatz-Anlagengeschäft. Die Beschäftigtenzahl von aktuell 7.300 ist seit Jahren leicht rückläufig.

Jobmotor Erneuerbare Energien! Forciert durch das Energiekonzept der Bundesregierung bieten die Erneurbare Energien gute Beschäftigungsmöglichkeiten: ob bei den Herstellern, in der Zulieferindustrie, bei den klassischen Energieversorgern und nicht zuletzt auch in der öffentlichen Verwaltung/Forschung, wo mittlerweile fast 9.000 Beschäftigte sich um regenerative Energien kümmern.

Infotipp: www.erneuerbare-energien.de