Rückblick 2020: Das Personalkarussell in der Energiewirtschaft

Trotz Corona-Krise war 2020 für die Energiewirtschaft ein ereignisreiches Jahr voller richtungsweisender Umbrüche. Ein Gradmesser dafür sind die zahlreichen hochkarätigen Personalien in der Branche, die das Jahr mitprägten.

Der Megadeal rund um die Zerschlagung von Innogy brachte das Personalkarussell 2020 mächtig in Schwung. So starten die beiden Essener Energiekonzerne nach dem Vollzug der Innogy-Transaktion auch personell eine neue Ära: Rolf Martin Schmitz räumt den RWE-Chefsessel für den bisherigen Finanzchef Markus Krebber (47). Das geschieht zwar erst im Sommer 2021, allerdings hatte das RWE-Urgestein Schmitz (62) schon im April angekündigt, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, um einen Generationswechsel einzuleiten. Anders als Schmitz ließ sein langjähriger Eon-Amtskollege Johannes Teyssen lange offen, wer ihn als Eon-Chef beerben wird und ob er wie 2018 angekündigt, tatsächlich aufhört. Seit Ende Dezember ist nun klar: das erste Kapitel der Unternehmensgeschichte der "neuen Eon" nach dem Vollzug verantwortet nicht mehr Teyssen, sondern der 53-jährige Leonhard Birnbaum, ein Top-Manager mit langer RWE-Historie, der bei Eon zuletzt COO und Verantwortlicher für die Innogy-Integration war. Neu in die erste Management-Reihe kommt zudem die 52-jährige Victoria Ossadnik. Teyssen zog unterdessen in den Aufsichtsrat des britischen Mineralölkonzerns BP ein.

Ex-Innogy-Manager mit neuen Aufgaben

Ein weiterer Architekt der Innogy-Integration bei Eon ist der ehemalige Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther (53), einer der wenigen Top-Funktionäre, die zunächst von Innogy zu Eon wechselten. Unmittelbar nachdem Eon ihn Anfang Dezember verabschiedete, stellte die finnische Uniper-Mutter Fortum Günther als neuen CFO vor. Ohnedies führt bei Fortum nach dem Abgang von Pekka Lundmark zu Nokia Finanzvorstand Markus Rauramo (52) das Regiment. Ex-Innogy CEO Michael Tigges (60) fand ebenfalls noch vor Jahresfrist einen neuen Job. Seit Dezember ist er Chefkontrolleur des Dortmunder Übertragungsnetzbetreibers Amprion.

Vattenfall, Ørsted und Equinor unter neuer Führung

Großes Stühlerücken gab es 2020 auch bei Vattenfall. Nachdem CEO Magnus Hall (Jahrgang 1959) im Juli überraschend seinen Abschied ankündigte, rückt Finanzchefin Anna Borg auf den Chefsessel der Schweden nach. Für Aufsehen sorgte auch der Wechsel von Gunnar Groebler (Jahrgang 1972), der die Verantwortung für die für Vattenfall so zentrale Windkraftsparte abgibt, um künftig die Gesamtverantwortung beim Stahlkonzern Salzgitter zu tragen. Ferner wechselten auch die skandinavischen Energiekonzerne Ørsted und Equinor auf höchster Ebene ihr Führungspersonal. Bei Ørsted beerbt Mads Nipper (54) den zurückgetretenen Henrik Poulsen. Bei Equinor folgt Anders Opedal auf Elder Saetre, der mit 65 in Rente geht.

Gero Lücking zieht es von Lichtblick zu Techem

Einen großen personellen Umbruch erlebte auch der Ökostromanbieter Lichtblick. Mit CEO Wilfried Gillrath (48) und Geschäftsführer Energiewirtschaft Gero Lücking (56) gingen gleich zwei Unternehmenslenker von Bord. Letzterer kam wenige Monate später beim Messtechnikhersteller Techem unter, wo er die neu gegründete Smart-Metering-Einheit leitet, Der Lichtblick-Eigner Eneco holte Enno Wolf (47) und Hans Bongartz (52) als Nachfolgerduo. Wolf ist seit Mai neuer Verantwortung für die Bereiche Energiewirtschaft und neue Produkte und Dienstleistungen bei Lichtblick, er kam von der Deutschland-Sparte der dänischen Ørsted. Enno Wolf war indes schon vor dem Positionswechsel in Diensten von Lichtblick.

Zahlreiche Rochaden bei Stadtwerken

Zahlreiche Rochaden gab es auch bei den Stadtwerken: Mit der Neubesetzung des Chefsessels der Stadtwerke Düsseldorf endete für die EnBW-Tochter eine Hängepartie. Um den 61-jährigen Udo Brockmeier nach zehn Jahren im Amt zu ersetzen, warb der Kommunalversorger Julien Mounier (42) von BS Energy ab. Außerdem kehrte auch Paul Anfang (57) dem Vorstand der BS Energy den Rücken, um zu den Pfalzwerken zu wechseln. In Braunschweig rückt Jens-Uwe Freitag (56), bislang Geschäftsleiter SWB Erzeugung im kommenden Jahr als Vorstandschef  nach. Die EWE-Tochter SWB meldete unterdessen den Abgang ihres langjährigen Finanzchefs Timo Poppe (Jahrgang 1980), der sich ab 2021 selbstständig machen will, wie er im Gespräch mit energate verriet. Den Wechsel von Stadtwerk zu Stadtwerk vollzog indes Maik Render, Der 49-Jäheige folgte dem Lockruf der Nürnberger N-Ergie, für die er die Stadtwerke Flensburg verlässt. In Flensburg übernimmt derweil Dirk Wernicke, der lange technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Münster war. Bereits seit Anfang 2020 stehen die Stadtwerke Wuppertal unter neuer Führung: Markus Hilkenbach (45) übernahm den Chefsessel von Andreas Feicht, der zuvor zum Energiestaatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium berufen worden war.

Ex-Staatssekretär Baake wird Politikberater

Zu den Personalbewegungen aus dem Bereich Politik und Verbände zählt auch der neue Job von Feichts Vorgänger Rainer Baake und die Nachfolge der Eon-Managerin Katherina Reiche (Jahrgang 1973) an der Spitze des VKU. Während der 64-jährige Baake seit August als Politikberater an der Spitze des Thinktanks Stiftung Klimaneutralität steht, berief der VKU im April den 56-jährigen CDU-Politiker Ingbert Liebing zum Nachfolger von Reiche, die als Westenergie-Chefin inzwischen eine zentrale Rolle im Netzgeschäft der Eon innehat und Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats ist.

(Quelle: energate / Bildquelle: 123rf/rawpixel)